Yoga und Klang – Zwischen Stille und der Kraft von Mantren und Musik

Yoga und Klang – Zwischen Stille und der Kraft von Mantren und Musik

Carolina, Yogalehrerin aus Berlin und Gründerin von Yomiga, ist Expertin für individuellen Yogaunterricht. Mit Leidenschaft erkundet sie seit Jahren die vielfältigen Möglichkeiten der verschiedenen Yoga-Tools und sucht immer wieder nach neuen Wegen, Yoga für jede*n erlebbar zu machen. In ihrem Gastbeitrag zum Thema "Yoga und Klang" beleuchtet sie das Thema aus traditioneller und wissenschaftlicher Perspektive, um die unterschiedlichen Herangehensweisen aufzuzeigen. Stille & Klang spielen in all ihren Kursen und Workshops eine große Rolle, daher freut sie sich sehr, ihre Gedanken dazu heute mit dir zu teilen. Viel Spaß beim Lesen!

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Yoga und Klang sind seit jeher eng miteinander verbunden. Das wohl bekannteste Mantra AUM (sprich: OM) gilt als der "Urklang", aus dem alles entstanden ist. Es ist ein kosmischer Klang, der allen Lebewesen innewohnt und mit "Alles, Allwissenheit, Allgegenwart, Allmacht" übersetzt werden kann. AUM gilt als harmonisierende Energieform, die auf Körper und Seele wirkt.

Auch beim Thema Klang ist es wichtig zu unterscheiden: Es gibt Klänge mit positiver und solche mit negativer Wirkung. Schlechte Klänge, die laut, anhaltend oder unerwartet sind, können beispielsweise mentale und körperliche Probleme verursachen.

Doch wie lassen sich Stille und Klang im Yoga sinnvoll miteinander verbinden?

 

 

 

Mantras und ihre Wirkung

Mantren sind Silben oder kurze Sätze, die wiederholt werden und durch ihre Laute und Rhythmen in Verbindung mit der Atmung Ruhe und Entspannung bewirken. Sie werden auch als heilige Gedanken oder Gebete bezeichnet und stammen aus dem Sanskrit. Das Wort "Mantra" setzt sich aus den Silben "Man" (denken) und "tra" (leuchten) zusammen. Durch regelmäßiges Wiederholen können Mantren bei der Meditation helfen.

 

Unterschiedliche Wirkungen von Mantras

Jedes Mantra hat nicht nur eine inhaltliche und energetische Bedeutung, sondern auch individuelle körperliche Wirkungen. Beispielsweise führt das Chanten des tibetischen Mantras "Om Mani Padme Hum" zu einer Atemfrequenz von circa 6 Atemzügen pro Minute und aktiviert dadurch unser parasympathisches Nervensystem. Dies hat positive physiologische und psychologische Auswirkungen. Die gleiche Wirkung hat übrigens auch das Ave Maria. Ein anderes Beispiel ist das Hamsa-Mantra, das sehr entspannend wirkt. Wenn man es aber umdreht (So'ham), wird es zum Ajapa-Mantra, das eher eine energetisierende Wirkung hat (1). Unsere Absicht beim Chanten spielt eine zusätzliche Rolle. Das bloße "Aufsagen" von Mantren ohne Vertrauen in sie wird wahrscheinlich keine  feinstoffliche  Wirkung haben.

Chanten – eine eigene Wissenschaft

Achtest du beim Chanten auf die Lautstärke? Das macht Sinn, denn: Wenn man hörbar (vaikharī) chantet, ist man mehr nach außen gerichtet. Beim Flüstern (upāṃsa) ist man mehr nach innen gerichtet. Durch das mentale Chanten (mānasika) kann das Mantra seine ganze Kraft entfalten. Auch die Anzahl der Wiederholungen eines Mantras, z.B. des OM, ist nicht unbedeutend. Die heilige Zahl 108 steht für die optimale Anzahl von Wiederholungen (japa), um die volle Wirksamkeit zu erfahren. Eine Malakette kann dabei helfen, da man nach jedem Mantra eine Kugel weiterziehen kann, ohne mitzählen zu müssen. Es gibt einige Regeln für den Gebrauch von Malas, aber das ist ein Thema für einen anderen Artikel.

 

 

Warum die genaue Übersetzung der Mantren nicht immer entscheidend ist

Manche Menschen sind der Meinung, dass es nicht unbedingt notwendig ist, die genaue Übersetzung der Mantren zu kennen. Wichtiger ist das Gefühl, das das Chanten in einem auslöst. Es gibt Erfahrungen, die sich nicht in Worte fassen lassen, weil sie sich auf einer anderen, nicht beschreibbaren Ebene abspielen. Eine Übersetzung kann daher die Erfahrung beeinflussen.

Diese Beispiele zeigen, warum Mantren nicht willkürlich eingesetzt werden sollten. Es gibt viele Aspekte, die beachtet werden sollten.

 

Welche Musik passt zum Yoga?

Die Frage, ob Yoga mit oder ohne Musik praktiziert werden soll, wird unterschiedlich beantwortet. Meine persönliche Meinung ist die folgende: Yoga und Musik können sich wunderbar ergänzen, wenn die Musik gezielt ausgewählt wird. Dennoch sollte die Stille überwiegen, denn letztlich ist Musik eine Form der Manipulation oder Ablenkung. Sie erzeugt einen erwünschten Zustand, der befreiend sein kann, aber gleichzeitig nimmt sie sich oder anderen die Möglichkeit, sich mit der Stille auseinanderzusetzen, zu beobachten, was ist, wenn es im Außen still wird.

Zudem ist schöne oder angenehme Musik sehr subjektiv. Bei mir zum Beispiel passt sich mein Atemrhythmus schnell der Musik an und hindert mich daran, meinen Atem frei fließen zu lassen. Ich werde auch nie vergessen, wie ein Yogalehrer während der Schlussentspannung das Lied "Lady in Red" spielte. Für ihn mag das ein positives Lied sein, das ihn entspannt, aber ich war kurz davor zu gehen.

 

 

 

Also lieber keine Musik?

Yoga und Musik schließen sich nicht aus, sollten aber gezielt eingesetzt werden. Mantren sind immer eine gute Idee. Aber hier finde ich es schöner, den Raum mit den Stimmen der Praktizierenden zu füllen und nicht mit Musik vom Band. Mein bevorzugter Ablauf ist: mit Stille beginnen, bei Bedarf Mantren und/oder Musik in die Yogapraxis integrieren und mit Stille enden. Im Zweifelsfall entscheide ich mich immer für die Stille.

Und wenn du das nächste Mal eine Yoga-Playlist zusammenstellst, empfehle ich dir, ausführlich zu recherchieren. Wusstest du zum Beispiel, dass verschiedene Frequenzen unterschiedliche Wirkungen auf Gewebe (z.B. Regeneration und Wachstum) und unser Gehirn haben? Dieses Wissen kann sehr gut genutzt werden, um die Yogapraxis sinnvoll zu ergänzen.

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Wenn du jetzt neugierig geworden bist und mehr über Mantren und ihre Bedeutung erfahren möchtest, dann schau doch beim nächsten Yoga & Ukulele Workshop von Carolina und Ukulili vorbei. Dort wird der Raum zwischen Stille und Klang ausgiebig erforscht und am Ende auch musiziert 😉 It's always about balance!


Wir hoffen, dass dir der Artikel gefallen hat!

Alles Liebe, dein Southern Shores Team 💙

 

 

(1) Siehe auch „Das große Yin Yoga Buch“ von Bernie Clark

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